Reparatur mit der Kintsugi Technik

In diesem Beitrag möchte ich Euch zeigen, wie ich es mit einer alten, traditionellen Technik geschafft habe, Fliesen zu reparieren.

Mitte diesen Jahres sprach mich eine Kundin an, ob mir eine Lösung einfiele, das Tischchen ihrer Oma zu retten. Besser gesagt, drehte es sich hierbei um die Fliesen, die auf dem Tisch eingerissen und gebrochen waren.

 

Nach längerem Überlegen kam ich auf die Idee, es mit der Kintsugi Technik zu probieren. 

Diese Technik hatte ich bereits an einer Porzellanarbeit von mir durchgeführt. Jedoch hatte ich dort die traditionelle Vorgangsweise bevorzugt, da es sich um ein wertvolles Unikat handelte. Ich klebte Bruchstellen mit Epoxidharzkleber und vergoldete diese Stellen danach mit Blattgold.

Das Ergebnis war klasse und wertvoll zugleich. Unten ein Foto von meiner Schale, die an einer Ausstellung in Maubeuge/ Frankreich zur Jubiläumsfeier der Städtepartnerschaft zwischen Ratingen und Maubeuge teilgenommen hat.

 

Nun zur Reparatur der Fliesen

Es handelte sich um diesen Tisch von ca. 1935.

Die Fliesen sind aus Porzellan, handbemalt und hergestellt von der Firma Meissen Keramik. Sie werden nicht mehr hergestellt und es gibt keine Restbestände.

 

 

Das New Kintsugi Repair Set gibt es im Internet zu kaufen. Es ist die "moderne" Kintsugi Technik- Antwort auf die traditionelle Methode, die kostspielig und sehr aufwendig ist. Mit dem Repair Set hat man alles direkt parat, auch eine übersichtliche Anleitung. Da es sich natürlich nicht um echtes Gold handelt, ist es erschwinglich und was sehr wichtig ist: Die reparierten Teile sind nachher spülmaschinenfest, sprich relativ belastbar. 

Für meine Auftragsarbeit war das ein wesentlicher Faktor, da der Tisch in Zukunft benutzt wird und er sich reinigen lassen sollte.

Also nahm ich die Herausforderung an und ging an mein Werk.

Etwas schummerig war mir zumute, immerhin handelte es sich um Fliesen mit einem sehr ideellen Wert! 

Was würde passieren, wenn ich diese  "Puzzleteile" nicht exakt zusammensetzen konnte, wenn Kanten entstünden oder Unebenheiten in der Oberfläche?

Klar war, ich benötigte Ruhe und  eine klare Vorgehensweise. Das heißt: Schritt für Schritt vorgehen und nichts übereilen.

Als Erstes begann ich mit der Reinigung der Rückseiten. Alte Reste von der Holzunterlage und lockere Klebereste mussten vorsichtig entfernt werden.

Zwischendurch legte ich immer wieder die Fliesenteile nebeneinander, damit nichts verwechselt wurde oder gar verloren ging. 

Danach reinigte ich mit Lösungsmittel die Klebestellen der einzelnen Fliesen.

...und dann ging es an die knifflige Hauptarbeit: Das Kleben und Zusammensetzen der Einzelteile.

Für die einzelnen "Nähte", Bruchkanten mussten kleine Mengen des Klebers angerührt werden. Der Kleber trocknet relativ schnell, deshalb war eine forsche

Vorgangsweise gefragt. Kleber anrühren, mit Goldpulver versetzen, auf die Klebestelle auftragen und 2 Teile korrekt zusammenführen....PUH! 

 

Nach ein paar Minuten konnte ich dann zusätzliches Goldpulver auftragen. Danach musste das Ganze eine Weile trocknen, bis ich die weiteren Teile anfügen konnte. Das obere Foto zeigt das Aufstreuen des Goldpulvers an einer der letzten Klebestellen.

Während der Arbeit hatte ich nicht die Ruhe ständig mit dem Handy Fotos zu machen ;-) Lediglich in einer überschaubaren Pause meines Schaffens war ich dazu in der Lage. Immerhin war mir die Reparatur der Fliesen etwas wichtiger als die Dokumentation. Deshalb habe ich (leider) auch nur Handyfotos, die nicht besonders vorteilhaft ausgeleuchtet sind.

Bei dieser Fliese sieht man, dass noch Teile fehlten oder besser gesagt, ausgebrochen waren und ersetzt werden mussten.

Dazu liegt dem Repair Set Knetmasse bei. Diese musste mit den Händen etwas erwärmt, bzw. verknetet werden und konnte dann als Lückenfüller dienen.

Nach Erhärten der Masse wurden auch diese Bereiche von mir wiederum verklebt und vergoldet.

Unten sieht man die fertige Arbeit! Alle 3 Fliesen wurden anschließend nochmal von mir versäubert, auch die Kanten, die wirklich ziemlich Patina angesetzt hatten. Risse, die bisher nicht durchbrochen waren, habe ich mit feinen, aufgesetzten goldenen Linien versehen.  Dies ist optisch ansprechender als dunkle

Bruchstellen der Zukunft....

 

Die Auftraggeberin war begeistert und ich bin auch sehr zufrieden. Schließlich habe ich der Kundin eine große Freude gemacht!

Die Installation der Fliesen überlasse ich meiner Kundin, die mir versichert hat, dass ich für den Blogbeitrag noch ein Foto vom fertigen Tisch erhalten werde :-)

...zum Nachlesen...

Hier die Erläuterung bei Wikipedia:  https://de.wikipedia.org/wiki/Kintsugi

Kintsugi (jap. 金継ぎ, dt. „Goldverbindung, -flicken“) oder seltener Kintsukuroi (金繕い, „Goldreparatur“) ist eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik. Keramik- oder Porzellanbruchstücke werden mit Urushi-Lack geklebt, fehlende Scherben werden mit einer in mehreren Schichten aufgetragenen Urushi-Kittmasse ergänzt, in die feinstes Pulvergold oder andere Metalle wie Silber und Platin eingestreut werden.

 

Kintsugi ist die alte japanische Kunst, zu reparieren, was zerbrochen ist. Meister dieses Handwerks verfügen über die Fertigkeit, aus Scherben mithilfe von Goldpuder Kunstwerke zu schaffen, die noch kostbarer sind als die ursprünglichen Gegenstände.

Quelle: Kintsugi: "Die Kunst, schwierige Zeiten in Gold zu verwandeln" von Andrea Löhndorf,Scorpio Verlag 2020

 

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